Stadtchronik 1970

Auszüge aus den von 1936 bis 1978 maschinenschriftlich geführten Chroniken der Stadt Gelsenkirchen

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heen
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Stadtchronik 1970

Beitrag von heen »

Selbstbedienung auch bei Bus und Bahn und ein Schüler fällt auf durch schreiben. Gelsenkirchen steht nicht in den Telefonbüchern, bietet sich aber als Standort für eine Universität an. Im Knast will keiner Geschäfte machen und nach einer Woche Schnee setzt Tauwetter ein.
Das erste Quartal 1970.
Von hier. (PDF, 16 MB)
Stadtchronik 1970 hat geschrieben: Donnerstag, 1. Januar 1970
Da das alte Rathaus am Machensplatz (bis vor kurzem noch Unterkunft für den Polizeibezirk Süd) im Januar abgebrochen werden soll, fordert der Verein für Orts- und Heimatkunde Gelsenkirchen-Buer, das an der Stirnseite des Rathauses angebrachte Stadtwappen aus Mosaiksteinen abzulösen uns an anderer Stelle wieder aufzustellen.

Montag, 5. Januar 1970
Mit vier Mitarbeitern, die später bis auf 30 Angestellte erweitert werden sollen, beginnt die Entwurfsabteilung für die geplante Stadtbahn ihre Arbeit im buerschen Rathaus. Die zum städtischen Tiefbauamt gehörende Abteilung befaßt sich mit den von den Ingenieurbüros ausgearbeiteten Entwürfen.

Mittwoch, 7. Januar 1970
Infolge der Grippewelle um die Jahreswende registrierten die Standesämter allein in den ersten fünf Tagen des neuen Jahres 161 Sterbefälle.

Mittwoch, 7. Januar 1970
Zu den zehn besten Vorschlägen unter 1400 Einsendungen an den Deutschen Fußballbund für ein Symbol zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 gehört der von dem Gelsenkirchener Hobby-Zeichner Alfred Reimann (72) eingereichte "Sportsmann beim Bocksprung über die Weltkugel".

Donnerstag, 8. Januar 1970
Die Nord-Süd-Autobahn durch Gelsenkirchen mit Anbindung an die Emsland-Linie ist von Bundesverkehrsminister Georg Leber in die erste Dringlichkeitsstufe der im Zeitraum von 1971 bis 1975 zubauenden neuen Bundesverkehrsstraßen einbezogen worden. Im Bereich Bismarck soll beim Bau des Emscherschnellweges bereits die Anschlußstelle der beiden sich kreuzenden Autobahnen mit eingebaut werden.

Mittwoch, 14. Januar 1970
Die Spannungen am Schalker Gymnasium, die im Dezember 1969 zu einem mehrtägigen Schülerstreik führten, sind wieder neu entflammt. Die Schüler fordern nach wie vor die Ablösung des Schulleiters, Oberstudiendirektor Dr. Neef. Bei der Bezirksregierung in Münster sieht man jedoch in den Schülervorwürfen keinen ausreichenden Grund für die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Dr. Neef.

Mittwoch, 14. Januar 1970
Die Gelsenkirchener Jungsozialisten äußern den Wunsch, daß nach dem "Dattelner Modell" auch in Gelsenkirchen Schüler und Studenten als Bürgerschaftsvertreter an Ratsausschußsitzungen beteiligt werden.

Freitag, 16. Januar 1970
Bei einer Diskussion über das Dattelner Modell zu der die örtlichen Jungsozialisten den Bürgermeister von Datteln, Niggemeier, eingeladen haben, findet die Anregung aus Datteln wenig Resonanz bei den hiesigen Jugendlichen. Statt einer "Häppchendemokratie", wie die Teilnahme von Schülern bei Ausschußsitzungen bezeichnet wird, fordern die Besucher der Veranstaltung die Mibestimmung der Jugend.

Freitag, 16. Januar 1970
In Horst wird die ehemalige Bergmannskolonie an der Koststraße abgerissen. Die alten Backsteinbauten aus der Gründerzeit (nach 1870) waren anfangs von angeworbenen Bergleute bezogen worden.

Montag, 19. Januar
Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn AG führt den schaffnerlosen Betrieb mit Selbstbedienung durch Fahrgäste in Straßenbahnen und Bussen ein.

Samstag, 24. Januar
Eine "Kommune der Geistlichen" ist in dem nach dem Fortzug des Pastors Kattenstedt leerstehenden Bulmker Pfarrhaus eingerichtet worden. Zehn Pfarrer beider Konfessionen, darunter drei Pastorinnen, bereiten sich in dieser "Hausgemeinschaft" darauf vor, 25.000 Schüler die Fragen und Probleme der Dritten Welt nahezubringen und sie zu einer umfassenden Altkleidersammlung zu motivieren.

Donnerstag, 12. Februar 1970
Der 16jährige Grillo-Gymnasiast Klaus Peter Wolf schreibt Geschichten nach der Art barocker Schelmenromane, z. B. "Tausend Liter Wein und ein paar tote Mäuse". Seine literarischen Ambitionen werden von der Schulleitung gefördert.

Donnerstag, 12. Februar 1970
Gegen Abend setzen noch einmal starke Schneefälle ein.

Mittwoch, 18. Februar 1970
Das Winterwetter mit Frost und Schneestürmen hält nach wie vor in unverminderter Stärke an.

Donnerstag, 19. Februar 1970
In den neuen Fernsprechbüchern der Bundespost ist der Name Gelsenkirchen weder in der Bereichskarte 31 zu finden, zu der Gelsenkirchen gehört, noch steht der Name in den alphabetischen Ortskennzahlen-Verzeichnissen, die beispielsweise in den nord- und süddeutschen Ferienorten ausgelegt sind.

Donnerstag, 19. Februar 1970
Nach einer Woche Schnee setzt Tauwetter ein.

Samstag, 21. Februar 1970
Die Landesregierung hat sich mit einer von der Stadt Gelsenkirchen vorgelegten Denkschrift zu befassen, in der sich Gelsenkirchen als Standort für eine Universität innerhalb der Emscherzone anbietet.

Sonntag, 22. Februar 1970
In einer von den Bewohnern der Feldmark geforderten Diskussion über den geplanten Bau der Floatglasanlage erklärten die davon betroffenen Bürger Oberbürgermeister Josef Löbbert, daß sie alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen gedenken, um den Bau auf dem Boden der Feldmark zu verhindern. Löbbert argumentiert, daß die Anlage unbedingt notwendig sei zur Erhaltung der Arbeitsplätze bei der Delog. Die Bewohner der Feldmark wünschen auf ihrem Wohn- und Erholunggebiet keine industrielle Ausdehnung und wollen kein Ausländerviertel werden.

Mittwoch, 25. Februar 1970
Die 30 einbruchsicheren Zellen des buerschen Gerichtsgefängnisses, die bereits vor einem Monat als Geschäftsräume angeboten wurden, warten vergeblich auf Pächter. Die buersche Kaufmannschaft scheut davor zurück, ihr Geschäftsleben in den "Knast" zu verlegen.

Freitag, 13. März 1970
Hundert Mütter protestieren in einem Schreiben an Oberstadtdirektor Dr. König gegen die Schließung des Kinderspielplatzes im nördlichen Teil des Stadtgartens. Der Platz wird wegen des Baues eines Hotelhochhauses in unmittelbarer Nähe als gefährdet angesehen.

Montag, 16. März 1970
Der im Löwenpark wegen Altersschwäche eingeschläferte Löwe "Dozy" steht jetzt im präparierten Zustand am Ausgang des Safariparks.

Dienstag, 17. März 1970
Suiten und Serenaden bilden das Programm des zweiten Jugendkonzerts des Städtischen Orchesters, das allerdings mehr Musizierende als Besucher verzeichnet.

Donnerstag, 19. März 1970
Die AOK bezeichnet Gelsenkirchen als führend in Europa auf dem Gebiet der Krebsvorsorge und -früherkennung durch gezielte Aktionen, die hier bereits 1968 eingesetzt haben.

Donnerstag, 19. März 1970
Gottlieb Pillich, Kirchstraße 52, vollendet als ältester Gelsenkirchener Bürger das 103. Lebensjahr.

Freitag, 20. März 1970
Drei Gelsenkirchener Schüler, Franz Josef Dartmann, Flöte, Klaus Kämper, Cello, und Klaus Dartmann, Klavier, gewannen beim Landeswettbewerb "Jugend musiziert" einen ersten Preis. Sie erzielten ihren Erfolg mit zwei Flöten-Trios von Ignat Pleyel und Martinu. Nun steht ihnen der Weg zur Teilnahme am Bundeswettbewerb offen. Vorher (am 12. April) geben sie, zusammen mit weiteren Siegern des Landeswettbewerbs, ein Konzert im Essener Folkwang-Museum, das vom Rundfunk aufgezeichnet wird. Das Trio wird vom Soloflötisten des Städtischen Orchester Gelsenkirchen, Ingo Gronefeld, betreut.

Montag, 30. März 1970
Die Ostertage 1970 zeichnen sich durch naßkalte Schneewetter aus.

Dienstag, 31. März 1970
Den dritten Platz (hinter zwei Russinnen) belegte bei den Europa-Meisterschaften der Fecht-Junioren in Minsk (UdSSR) die 18jährige Jutta Popken vom Gelsenkirchener Fecht-Club.

heen
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Re: Stadtchronik 1970

Beitrag von heen »

Architektursoziologen werden gebraucht und ich verstehe kein Wort, wenn das Badewasser läuft. Lenin wird hundert, da fliegen Kanaldeckel durch die Luft. Jugend raus aus dem Jugendhaus, der letzte Winter war hart.
Das zweite Quartal 1970.
Von hier. (PDF, 16 MB)
Mittwoch, 1. April 1970
In der hiesigen Bekleidungsindustrie ist das gewerkschaftliche Ziel, die 40-Stunden-Woche zu erreichen, mit dem heutigen 1. April Wirklichkeit geworden.

Samstag, 4. April 1970
Die bisher seit zwei Jahren lediglich in Gelsenkirchen durchgführte Krebsvorsorgeuntersuchung wird jetzt durch NRW-Arbeits- und Sozialminister Werner Figgen zur landesweiten Aktion ausgedehnt.

Dienstag, 7. April 1970
Daß man beim Privathausbau in Zukunft neben dem Bauherrn und dem Architekten auch einen Architektursoziologen benötigt, erfahren die Teilnehmer des vorletzten städtischen Forumsgespräch durch den Mitarbeiter des soziologischen Instituts der Universität Bochum, Dipl. Ing. Lutz Heidemann.

Freitag, 17. April 1970
Die Wetterstation des Max-Planck-Gymnasiums veröffentlicht in der Buerschen Zeitung ihre Buchführung über den vergangenen Winter, der als einer der härtesten der letzten Hundert Jahre bezeichnet wird.

Montag, 20. April 1970
In einer Direktübertragung des WDR spielt das Gelsenkirchener Trio Eberhard Buschmann, Ingo Gronefeld und Monika von Saalfeld selten gehörte Werke der Kammermusik.

Montag, 20. April 1970
Der 124. Tribünenabend bringt verschiedene Werke des amerikanischen Bühnenautors Robert Anderson unter dem Gesamttitel "Ich verstehe kein Wort, wenn das Badewasser läuft".

Mittwoch, 22. April 1970
Nach zahlreichen Beschwerden der Bürgerschaft wird der eingezogene Kinderspielplatz im Nordteil des Stadtgartens wieder aufgebaut, da sich der Baubeginn des dort geplanten Hotelhochhauses verzögert.

Sonntag, 26. April 1970
Zum hundertsten Geburtstag Lenins veranstaltet der DKP-Bezirk Ruhr-Westfalen in der Gertrud-Bäumer-Realschule in Anwesenheit des Bonner Sowjetbotschafters Semjon Zarapkin sowie Delegationen aus der UdSSR und der DDR eine Leninfeier mit Ansprachen und kabarettistischen Darbietungen.

Sonntag, 3. Mai 1970
Die am Grille-Gymnasium erscheinende Schülerzeitung "Janus", die vor einem Jahr durch einige Beiträge zu Konfliktsituationen zwischen Lehrern und Schülern führte, wurde in einem Wettbewerb der Landesjugendpresse als eine der besten Schülerzeitungen des Landes ausgezeichnet.

Mittwoch, 6. Mai 1970
Zum erstenmal seit 1964 hat die Stadtverwaltung im ordentlichen Haushalt wieder einen Uberschuß erwirtschaftet. Er beträgt 2,8 Mio DM.

Mittwoch, 13. Mai 1970
Dem für Horst abgeänderten Bebauungsplan 131 (Horster Stern) fällt die Horster Mühle zum Opfer, deren jahrhundertealte Tradition von der buerschen WAZ geschildert wird: "Horster Mühle verschwindet".

Donnerstag, 14. Mai 1970
Wie die Buersche Zeitung berichtet, ist die Genehmigung für den Bau von 70 neuen Hochleistungsöfen der Kokerei Scholven an die gleichzeitige Errichtung einer Grünkulisse gebunden. Für diesen Grüngürtel müssen 53 Werkshäuser in Scholven abgerissen werden.

Sonntag, 17. Mai 1970
Im Alter von 84 Jahren stirbt der Gelsenkirchener Maler und Grafiker Hermann Peters, der in den vergangenen 50 Jahren zum Initiator vielfältiger kultureller Veranstaltungen auf der Stadtebene wurde. Bereits 1923 rief Peters eine Gelsenkirchener Kunstwoche ins Leben. Sein künstlerisches Werk ist gleichzeitig eine Dokumentation Gelsenkirchener Stadtgeschichte. Er wird im Familiengrab im oberbayrischen Ort Eschenlohe beigesetzt.

Freitag, 22. Mai 1970
Die CDU beginnt ihren örtlichen Landtagswahlkampf mit Leiterwagen und hübschen Mädchen, um die Traumgrenze von 40 v.H. an Stimmen aus Gelsenkirchen zu bekommen. ...

Mittwoch, 27. Mai 1970
Alle Horster Jugendgruppen (mit Ausnahme der Meßdiener und der Pfadfinderschaft St. Georg) werden von Pfarrer Happe aus dem Jugendhaus Horst ausgesperrt. Als Grund werden Schulden in Höhe von 5.300 DM angegeben. In Horst heißt es, die ausgesperrten Gruppen haben sich im Fall Philippek für ihren Kaplan eingesetzt. Nun streiken aus Solidarität mit den ausgesperrten Gruppen die Ministranten bei den Gottesdiensten der St.-Hippolytus-Kirche.

Donnerstag, 28. Mai 1970
Die geplante Errichtung eines Großstadions im Berger Feld veranlaßte mehrere örtliche Baufirmen, kooperativ ein Generalunternehmen zu gründen, das unter der Bezeichnung "Gelsenbau GmbH" die Möglichkeit bietet, größere Vorhaben schlüsselfertig abzuliefern. Zu der neuen Großfirma gehören die Decon-Bau GmbH (Tochtergesellschaft der Denzinger-Gruppe), die Wilhelm Jaeger KG, die Firma F. Küppersbusch und Söhne, K. Schäfer, sowie Stecker und Roggel und die Baufirma K. H. Meese, die auch den Geschäftsführer stellt. Die Gelsenbau GmbH erhofft sich durch Vorlage einer eigenen Hänge-Fachwerkkonstruktion für den Tribünenbau des Stadions den Auftrag für das Großobjekt.

Donnerstag, 28. Mai 1970
Von den 80 Ministranten der Hippolytusgemeinde bleiben 44 dem Fronleichnamszug aus Gründen ihres Solidaritätsstreiks fern. In der Gemeinde läuft zur Zeit eine Unterschriftensammlung, die der Forderung einer Gruppe von Gemeindemitgliedern auf Versetzung des Kaplans Heinrich Philippek Nachdruck verleihen soll.

Mittwoch, 3. Juni 1970
Einen eigenen Wald von inzwischen 500 Bäumen hat der ehemalige Eisenbahner Albert Knauth (64) in seinem Garten an der Graeffstraße 21 angepflanzt. Mit zahlreichen Nistkästen versehen ist dieses Privatwäldchen zu einem Vogelparadies geworden.

Donnerstag, 18. Juni 1970
An der Ecke Braukämper- und Giebelstraße explodiert beim Einbiegen in eine Tankstelle gegen acht Uhr ein mit 34.000 Litern Benzin beladener Tankzug, der ins Schleudern gerät und umstürzt. Auf einer kilometerlangen Strecke fliegen Kanaldeckel in die Luft, da das Benzin, das in die Kanalisation fließt, sich ebenfalls entzündet und explodiert. Der Fahrer des aus Hagen stammenden Tankzuges kann sich ins Freie retten. Erst gegen 17 Uhr kann die Feuerwehr abgezogen werden. Der Sachschaden wird auf 300.000 DM geschätzt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen.

Freitag, 26. Juni 1970
Drei Wochen lang hat es nicht mehr geregnet. Die Stadtverwaltung meldet bei starker Hitze Verluste an Gehölzen, vor allem im Stadtnorden.

Sonntag, 28. Juni 1970
Die Auftaktveranstaltung zum Berger Sommerfest, das bei der Stadt mit 50.000 DM zu Buch schlägt, muß infolge einsetzenden Regens abgebrochen werden. Veranstaltungen wie der Massenstart von Brieftauben gibt es nur am Vormittag.

heen
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Re: Stadtchronik 1970

Beitrag von heen »

Wohnen 2000 und Tree-Art stellen aus.
Kirchmauer wird Geierfelsen und ganze zwei Schüler wollen Bergmann lernen
Das 3. Quartal 1970.
Von hier. (PDF, 16 MB)
Stadtchronik 1970 hat geschrieben: Donnerstag, 9. Juli 1970
Wohnimpulse für die Zukunft will die Ausstellung "Wohnen 2000" geben, die in der Stadt-Sparkasse eröffnet wird und zeigen soll, wie man im Jahre 2000 angesichts der dann zu erwartenden Übervölkerung der Erde Bauprobleme löst.

Mittwoch, 22. Juli 1970
Die Umfassungsmauer der Urbanuskirche mit ihren schweren Steinquadern wird vom Ruhr-Zoo übernommen und als Geierfelsen der im Bau befindlichen Steppenfreianlage aufgeschichtet.

Samstag, 1. August 1970
In dem 40 Jahr alten Freibad Grimberg haben die Becken infolge von Bergsenkungen Schieflage bekommen.

Samstag, 1. August 1970
Bei der Trauung eine jungen Paares in der Bleckkirche in Bismarck bricht der evangelische Pfarrer Hans Maack (62) nach 35jähriger Tätigkeit in der evangelischen Kirchengemeinde Bismarck am Altar tot zusammen.

Freitag, 7. August 1970
Am Nottkampshof im Schaffrath sind dreizehn Kinder damit beschäftigt, sich auf dem einem Westerholter gehörenden Brachgelände einen Sportplatz zu bauen. Initiator, "Architekt und Bauleiter" ist der dreizehnjährige Ralph Schäpers.

Sonntag, 30. August 1970
Zwei junge Abiturienten, Cornelia Bröschen und Christian Heinrich, sind von einem siebenwöchigen freiwilligen Arbeitseinsatz in Ghana zurückgekehrt, wo sie in einer Gruppe von 18 jungen Männern und sechs Mädchen die Bibliothek für eine Blindenschule erbauten.

Dienstag, 1. September 1970
Drei "Kumpels zuviel" gehen auf der neunten Sohle der Zeche Consolidation vor Ort. Das Trio (20 bis 22 Jahre alt) kommt ohne Schwierigkeit durch die "undurchlässige" Pforte und fährt in voller Grubenmontur und mit ausgegebener Grubenlampe ein. Erst untertage wird ein Maschinensteiger auf die drei nicht mehr ganz nüchternen Eindringlinge aufmerksam und befördert sie wieder "nach oben", wo die alarmierte Polizei bei ihnen sogar die Schlüssel zu den Sprengstoffkammern entdeckt. Es erfolgt Anzeige wegen Hausfriedensbruches.

Mittwoch, 2. September 1970
Jedes der Mitglieder des deutschen Fußball-National-Teams bei den Fußball-Weltmeisterschaftsspielen in Mexiko ist auf einer von der Deutschen Shell herausgegebenen Reihe von Gedenkmünzen abgebildet, darunter auch die beiden Schalker Nationalspieler Fichtel und Libuda.

Samstag, 5. September 1970
Von den diesjährigen schulentlassenen Jungen, die im August eine Lehrstelle angetreten haben, entschieden sich nur zwei für den Bergmannsberuf. Vor zehn Jahren waren es noch zweihundert. Die meisten bevorzugen einen Handwerksberuf.

Dienstag, 15. September 1970
Friseurmeister Hans Sievers ist seit einigen Tagen in Stuttgart, wo er zu den "Managern" bei der Ausrichtung der Weltmeisterschaft der Friseure gehört. Das von ihm trainierte Gelsenkirchener Team erringt den Weltmeistertitel.

Sonntag, 27. September 1970
In den Ausstellungsräumen der Städtischen Kunstsammlung wird eine Ausstellung sogenannter "Tree-Art" eröffnet, die angeblich von einem venezolanischen Künstler und Marxisten Miguel Remedios als erste europäische Ausstellung beschickt worden sei. In Wirklichkeit handelt es sich um die Schau von 22 mit Silberbronze bestrichenen und jeweils an markanter Stelle mit einem roten Punkt versehenen Ästen der im Garten des Gelsenkirchener Schriftstellers Philipp Wiebe umgestürzten Robinie, zu der Wiebe eine rührende Sozialgeschichte erfand und bei der Eröffnung verliest. Dazu schreibt die WAZ am 28. September: "Was Remedios zeigt, ist - etwa angesichts unseres lieben Düsseldorfer Avantgardisten Beuys - durchaus kein Novum". Die Ruhr-Nachrichten vermerken: "In Remedios Objekten lassen sich leicht Anzeichen der indianischen Kunst entdecken". In der Buerschen Zeitung wird Remedios als Künstler bezeichnet, "der sich zum Sprecher der Armen und Getretenen macht" (Der Titel der Ausstellung hieß "Rot wird siegen".) In den Gelsenkirchener Blättern vom 16. Oktober heißt es: "Remedios gestaltet nicht, er demonstriert, obwohl er auch ästhetisches Vergnügen vermitteln kann".

heen
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Re: Stadtchronik 1970

Beitrag von heen »

Stadt verhindert Demokratisierungsprozess. Mengen bereiten Eltern Probleme, ein Erdbeben in der Stadt. Eine Gasleitung explodiert und der Kurvenscheinwerfer kommt ins Spiel.
Das letzte aus 1970.
Von hier. (PDF, 16 MB)
Montag, 5. Oktober 1970
Weil sich nach Meinung der Gesamtschüler die Stadt immer mehr in die internen Angelegenheiten ihrer Schule einmischt und dadurch ihren Demokratisierungsprozeß verhindere, führt die Studienstufe heute und morgen einen Proteststreik durch. Den Anlaß dazu bietet die Entscheidung, den Leiter der Gesamtschule den Haag, Heinz Schulten, zum Leiter der Studienstufe zu ernennen. Die Schüler hatten mit Mehrheit für Oberstudienrat Hans K. Fleischmann votiert.

Donnerstag, 8. Oktober 1970
Das den örtlichen Sportverbänden seit 16 Jahren versprochene Mehrzweckhaus des Sportes, das Sporthallenzentrum "Schürenkamp" an der Grenzstraße, wird von Oberbürgermeister Löbbert eröffnet. Der mit einer großen internationalen Schau verbundenen Feierstunde folgt eine Werbewoche, in der die in der Halle möglichen Sportarten der Öffentlichkeit vorgeführt werden.

Donnerstag, 15. Oktober 1970
Ein Aufnahme-Team des Bremer Fernsehens besucht die Gelsenkirchener Tree-Art-Ausstellung, um für das Kulturmagazin "Nordschau" über die zusammenhänge dieser angeblich dem Venezolaner Miguel Remedios zugeschriebenen Wiebeschen Baumäste zu berichten. Philipp Wiebe schenkt der Stadt eines der "Remedios-Objekte".

Samstag, 24. Oktober 1970
In neunmonatiger Arbeit haben die Amateurforscher Wolfgang Pruß, Lothar Klaffke und Egbert Bormann in ihrem Schrebergarten am Trinenkamp eine Miniatur-Sternwarte gebaut.

Mittwoch, 18. November 1970
In Bismarck wird um 23.46 Uhr ein heftiger Erdstoß festgestellt. Die Erdbebenwarte in Bochum registriert lediglich eine Erschütterung von geringen Meßwerten aus Richtung Gelsenkirchen.

Freitag, 20. November 1970
Die Ruhr-Nachrichten kommentieren die am 19. November ausgestrahlte Sendung des Bremer-Fernsehens über die "Tree-Art-Ausstellung" mit der Überschrift "Miguel Remedios kam nicht aus Caracas, sondern aus Buer". Der Kommentar bezeichnet die Ausstellung als kunstkritisches Experiment, nicht aber als Verunglimpfung der kunstfreudigen Stadt Gelsenkirchen.

Samstag, 21. November 1970
Oberstadtdirektor Dr. König und Kulturdezernent Meya nehmen in einer Pressekonferenz Stellung zu der inzwischen von dem Veranstalter Dr. Rainer Kabel als "kunstkritisches Experiment" bezeichneten fälschlichen "Tree-Art Ausstellung". Stadtrat Meya nennt das Experiment einen "bedenklichen Jux" und als Racheakt des ehemaligen VHS-Direktors und kommissarischen Leiters des Museums, Dr. Kabel, an der Ortspresse. Dr. König bezeichnet Kabels Beteiligung an dem Wiebe-Scherz einen Vertrauensbruch gegenüber der Stadt und der Öffentlichkeit, die in Sachen Kunst verunsichert worden sei.

Mittwoch, 25. November 1970
Im "Tempel" der Matthäuskirche findet als Ergänzung zu der WAZ-Serie über Gastarbeiterprobleme ein öffentliches Forumgespräch zwischen Deutschen und ausländischen Arbeitnehmern statt unter der Gesprächsleitung von WAZ-Redakteur Hans-Rudolf Thiel. Titel des Gesprächs, in dem u. a. die Vertretung der Gastarbeiter in den Ratsgremien gefordert wird, ist: "Getto für die Gäste".

Donnerstag, 26. November 1970
Probleme bereitet Eltern und Schülern die in den Schulen eingeführte Mengenlehre. An einigen Schulen erhalten die Eltern nunmehr Nachhilfeunterricht in diesem Stoff.

Samstag, 28. November 1970
Die Wochenendausgaben der Ortszeitungen sind mit Kommentaren und Leserbriefen über die Tree-Art-Affäre angefüllt. "Eine solche Geschichte könnte zu jeder Zeit in jeder Stadt geschehen" schreibt die Westfälische Rundschau auf ihrer Revierseite. Einen ganzseitigen Kommentar liefert die Buersche Zeitung unter der Überschrift "Narrenfreiheit". In den Ruhr-Nachrichten finden sich drei aufschlußreiche Leserbriefe, und der buersche Bauunternehmer Dipl.-Ing. Hans Schreiner stellt einen Strafantrag gegen die Herren Wiebe, Kabel sowie Mitwisser und Genossen wegen Betrugs.

Freitag, 4. Dezember 1970
Wie aus einer Mitteilung der Oberpostdirektion Münster hervorgeht, dürfen postamtliche Ortsbezeichnungen nicht mehr länger als 16 Schreibmaschinenzeilen [Schreibmaschinenzeichen] sein, da sie sonst von den EDV-Anlagen nicht zu erfassen sind. Die Bezeichnung Gelsenkirchen-Buer mit ihren 18 Anschlägen bedarf danach einer Änderung.

Dienstag, 8. Dezember 1970
Der buersche Baunternehmer Bernd Niewerth hat für den Fall seines Todes oder des Ablebens seiner Ehefrau der Stammbelegschaft des Unternehmens die gesamte Erbmasse der Firma übertragen.

Sonntag, 13. Dezember 1970
Eine 30 cm starke Gas-Pipeline zerbrach gestern früh in der Nähe der Pannschoppenstraße im Ortsteil Beckhausen mit starker Detonation und Beschädigungen an den benachbarten Häusern. Die Anwohner mußten des ausströmenden Gases wegen evakuiert werden und kehren zum Teil erst heute in ihre Wohnungen zurück, obwohl die Hauptgefahr in den gestrigen Nachmittagsstunden beseitigt war.

Donnerstag, 24. Dezember 1970
Der Gelsenkirchener Automechaniker Karl Schäble hat vom Bundesverkehrsministerium die Genehmigung zum Bau seines schon vor drei Jahren patentierten automatischen Kurvenscheinwerfers erhalten.

Freitag, 25. Dezember 1970
Durch den starken Frost der letzten Tage ist die Eisdecke auf dem Berger See und den Teichen fest genug, um Schlittschuhläufern erste Winterfreuden zu bieten.

Dienstag, 29. Dezember 1970
Der erste Schneefall des Winters führt zu zahlreichen Verkehrsunfällen.

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